Klassenfragen als Kriminalfall. Soziale Ungleichheit in der Reihe Polizeiruf 110
摘要
Dass Filme – und in der Folge auch fiktionale Fernsehsendungen – Gesellschaften spiegeln, gehört zu den intensiv diskutierten filmsoziologischen Annahmen. Wiederkehrende Motive im filmischen Erzählen lassen sich als Indikatoren für eine (verborgene) soziale Wirklichkeit betrachten. Vice versa formen Filme Bilder über Wirklichkeit und bieten Deutungsmöglichkeiten für gesellschaftliche Verhältnisse an. Insbesondere der (Fernseh-)Krimi kann als Erzählung über soziale Probleme und Konflikte gelten. Krimis zeigen dabei nicht nur strafrechtlich relevante Devianz, sondern sind auch Teil einer diskursiven Aushandlung der Gültigkeit von Normen. Darin eingeschlossen ist der erzählerische und ästhetische Umgang mit sozialer Ungleichheit. Vor diesem Hintergrund fragt der Beitrag nach der Darstellung von Klassenunterschieden und dem Aufbegehren dagegen in der Reihe Polizeiruf 110 (DDR/D/AUT 1971–). Am Beispiel der Folge Sabine (D 2021, ARD/NDR) wird aufgezeigt, wie ein Krimi Klassenfragen narrativiert.