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Die Erforschung von High-End-Dramaserien als Klassenfrage

  • Lothar Mikos

摘要

Die (medien-)wissenschaftliche Beschäftigung mit High-End-Dramaserien, auch als ‚Quality TV‘ gelabelt, hat zu einer Kanonisierung geführt. Zahlreiche beim Publikum beliebte Serien geraten so gar nicht erst in den Blick. Grund dafür sind die Distinktionsbestrebungen im akademischen Milieu, das zur neuen Mittelklasse (Reckwitz 2020) gehört. Diese neue Mittelklasse strebt danach ihren Alltag und ihren kulturellen Konsum zu valorisieren und zu authentifizieren. Das trägt im Wesentlichen zur Abgrenzung von anderen Klassen oder im Fall des akademischen Milieus zur Abgrenzung von anderen sozialen Milieus bei. Diese Klassen und Milieus sind Ausdruck der sozialen Stratifizierung im 21. Jahrhundert. Im Kontext des kulturellen Konsums und der Medienrezeption eignen sich die Serien des ‚Quality TV‘ zur Distinktion und zu Selbstvergewisserung des akademischen Milieus. Die Forschung in der Medien- und Kommunikationswissenschaft muss aus der eigenen Klasse heraustreten, will sie die Muster und Strukturen des Medien- und Serienkonsums auch anderer Bevölkerungsgruppen verstehen, sie muss sich gewissermaßen mit dem Fernsehen der anderen befassen (vgl. Scheffer 1988; Zündel 2022, 331–332). Mit anderen Worten: Das akademische Milieu muss seinen Wissenshorizont erweitern.