错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Welche Zukunft? Radikale Demokratiebildungen* in der Postapokalypse

  • Werner Friedrichs

摘要

Der Raum der Möglichkeiten – so Stengers (2015) in ihrem Essay In Catastrophic Times – ist geschrumpft. Das ist ein ernsthaftes Problem für die Zukunft. Denn Möglichkeiten bilden die Grundlage für Transformationsphantasmen, die ihrerseits Hoffnung nähren. Hoffnung auf die Zukunft. Mit der Schrumpfung müssen Veränderungen ihre Richtung wechseln: „Now […] to reform means to deny what had people hope, struggle, and create. It means ‚let’s stop dreaming, one must face the facts‘.“ (ebd., S. 27) Die folgenden Überlegungen schließen an diesen Richtungswechsel an und gehen davon aus, dass wir uns den modernen, möglichkeitsorientierten Umgang mit der Zukunft nicht mehr leisten können. Vielmehr zeitigt das stramme Festhalten am Optimismus längst kontraproduktive Effekte. Hoffnung, utopische Szenarien und Zukunftssimulationen erweisen sich zunehmend als Erkenntnisbarrieren („obstacle epistemologique“ (Bachelard 1947, S. 13 ff.)) im genauen Sinne. Sie verhindern die Einsicht, dass wir uns längst in einer Postapokalypse befinden, in der die moderne Welt mit ihren Sinnressourcen zerfällt (vgl. Stümer 2023). Die postapokalyptische Situation besteht dabei nicht in einem Horror- oder Endzeitszenario, das sich nach einer „catastrophical destruction“ (ebd., S. 1) einstellt. Greetings from Mad Max. Vielmehr zeigt sie sich erst im Prisma einer „radical ontological and epistemological chance“ (ebd.). Ein Umbruch, in dem die Leitfigur eines auf die Zukunft vorgreifenden, autonom-intentional handelnden, kompetenten Menschen zu einer lost figure erstarrt. Somit muss auch in der politischen Bildung die Richtung geändert werden. Denn in unzähligen Formaten (insb. Zukunftswerkstätten) der politischen Bildung werden weiterhin Möglichkeitsräume simuliert, die eine ernsthafte Orientierung in der Postapokalypse eher unterbinden als fördern. Statt weiterhin zombiehaft Handelnde zu produzieren, die trotzig ihre Wünsche, Hoffnungen und Pläne auf den Schrumpfkörper eines Möglichkeitsraums projizieren, muss sehr viel dringender um Orientierung gerungen werden: „Arts of Living on a damaged planet“ (Bubandt et al. 2017). Hier schließt die Idee radikaler Demokratiebildungen an, in denen die materialen Figurationen der Postapokalypse so greifbar gemacht werden sollen, dass sich in ihnen Orientierung herausbildet. Was das für das Kommende heißt, kann nur unklar bleiben – es sei denn, man fällt erneut in den Planungs-, Projektions- und Möglichkeitswahn zurück.