Postapokalyptische Ökologie: Hoffnung und Gerechtigkeit im Katastrophenzeitalter neu denken
摘要
Die Umweltbewegung fiel in ihrer Entstehung durch ihren zukunftsorientierten Pessimismus auf: Träume von einer besseren Zukunft waren als Mobilisierungsinstrument weniger wichtig als die Angst vor zukünftigen Katastrophen. Dieses apokalyptische Motiv wurde späterhin nicht nur durch den Optimismus etablierter Umweltorganisationen herausgefordert, sondern auch durch das Aufkommen dessen, was wir als postapokalyptisches Umweltbewusstsein bezeichnen. Es basiert auf der Erfahrung von irreversiblem oder unvermeidlichem Verlust. Dieses zumeist auf den Globalen Süden bezogene Narrativ wird weder von einem starken Gefühl der Hoffnung noch von der Angst vor einer herannahenden Katastrophe genährt, sondern von der Überzeugung, dass die Katastrophe bereits im Gange ist. Ausgehend von den Klassikern der Umweltbewegung, Rachel Carson und Barry Commoner, zeichnen wir die Konturen dieser apokalyptischen Erzählung nach und diskutieren, wie die Enttäuschung über das institutionelle Versagen in der Klimapolitik zu einer zunehmenden Kritik an einer apokalyptischen Bildsprache geführt hat. Anschließend skizzieren wir, wie postapokalyptische Motive in politischen Mobilisierungen Verbreitung finden. Besonders interessant sind dabei zwei Fälle von Klimaaktivismus: das Dark Mountain-Projekt und das Internationale Tribunal für die Rechte der Natur. Wir kommen dabei zum Ergebnis, dass Mobilisierungen auch durch das möglich werden, was wir als Paradox der Hoffnung und Paradox der Gerechtigkeit bezeichnen – ein Rahmen, in dem der (postapokalyptische) Verlust als real anerkannt wird.