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Das Ideologem der Zukunft und sein Schatten. Narrative und Szenarien als Kolonisierungen künftiger Zeit

  • Jules Buchholtz

摘要

Was wird kommen? ist eine Frage, die die Menschheit seit 3000 Jahren bewegt, und anhand derer sich eine direkte Linie von Apollon und der Pythia bis McKinsey und Bob Sternfels ziehen lässt. Obwohl nach wie vor gilt, dass niemand die Zukunft kennen kann, haben seit damals methodische Verfeinerungen und neue, der Zukunft gewidmete Disziplinen wie die Futurologie, die Future Studies und die Szenarioanalyse ermöglicht, diese Frage etwas anders zu stellen: Was wird kommen? ist abgelöst worden von Was soll kommen? Die Frage nach der Zukunft ist nicht mehr nur mit dem Interesse verbunden, zu erfahren, vor welchen künftigen Ereignissen es sich in Acht zu nehmen gilt, sondern damit, Zukunftswissen zur Ableitung von Mitteln und Fähigkeiten einzusetzen, mit denen Zukunft je nach Interessenlage verhindert oder herbeigeführt werden kann. In dieser Art, die Zukunftsfrage zu stellen, artikuliert sich nicht nur ein Wille zu wissen, sondern auch ein Anspruch auf Einflussnahme, mithin eine Macht, Zukunft zu produzieren. So naheliegend es erscheint, das Projekt Zukunftswissen um einen Steuerungsaspekt zu erweitern, so weit ist das Spektrum der Folgeerscheinungen, die eine solche Denklogik für das Leben all derer mit sich bringt, die in dieser Zukunft leben müssen bzw. sich bereit finden, die dazu nötigen gegenwärtigen Prozesse in Gang zu setzen und mitzutragen.