Psychodynamische Faktoren
摘要
Über die Frage, ob und in welchem Maß Macht korrumpiert, sind wir zu Fragen der Führungsethik gelangt. Dieser Zugang ist seit Platons Politeia der gängigste und er weist die Führungsethik als eigenständiges Teilgebiet der Ethik aus. In Kap. 3 hatten wir moralpsychologische Aspekte der so erschlossenen Führungsethik erkundet. Im Zentrum stand dabei die Frage: Warum richten Führungspersonen in normalen und extremen Situationen Schaden an und denken dennoch von sich, sie handelten richtig? Das ist eine spezifischere Version der allgemeinen Frage danach, wie moralisch schlechtes oder sogar böses Führungsverhalten zustande kommt. Albert Banduras Theorie der moralischen Abkoppelung stellte erste Antworten bereit. Bandura unterstrich, dass die psychologische Fähigkeit der Selbstkontrolle ein wichtiger Faktor ist. In dieser Hinsicht besteht eine Ähnlichkeit mit Aristoteles Moralpsychologie. Laut Bandura kann Selbstkontrolle selektiv aktiviert oder abgekoppelt werden, und er unterscheidet eine Reihe von Umdeutungsmechanismen, die das möglich machen. Genau diese Mechanismen erklären, wie eine Person einerseits Schaden anrichten und sich gleichzeitig ein reines Gewissen bewahren kann. Bandura liefert mithin einen wichtigen Baustein für die Beantwortung der Frage, ob und wie Macht korrumpiert.