Verwandtschaftskonstruktionen und soziale Egonetzewerke von Angehörigen arabischsprachiger Großfamilien in Deutschland
摘要
In den Sozialwissenschaften sowie im allgemeineren Diskurs um Verwandtschaft scheint ein Konsens zu bestehen, nach dem die Bedeutung dieser Form der Sozialbeziehung in der modernen Gesellschaft an Bedeutung verloren hat. Eine Ausnahme von dieser Tendenz stellen Debatten um die sogenannte „Clan“-Kriminalität in Deutschland dar. Schon der Begriff macht die Annahme einer hohen Bedeutung von verwandtschaftlichen Beziehungen für diese Kriminalitätsform deutlich. Als „Clan“ und seltener auch „Clanfamilie“ werden Personengruppen meist nahöstlicher Provenienz bezeichnet, die durch verwandtschaftliche Beziehungen sowie eine gemeinsame ethnische Herkunft miteinander verbunden sind. Eine kritische Perspektive auf den Begriff der „Clan“-Kriminalität bedarf allerdings einer kritischen Überprüfung der Annahmen bezüglich der Rolle, die Verwandtschaft für das Phänomen spielt. Aus diesem Grund setzt es sich der vorliegende Beitrag zum Ziel, die Verwandtschaftskonstruktionen von Angehörigen arabischsprachiger (Groß-)Familien in Deutschland1 näher zu beleuchten. Um Einblicke in die Verwandtschaftskonzeptionen sowie den Einfluss der Verwandten auf den Alltag von Angehörigen sogenannter „Clans“ aus deren Perspektive zu erhalten, wurde ein qualitatives, (ego-)netzwerkzentriertes Vorgehen gewählt.