Diskussionen über und Furcht vor „Clankriminalität“ im Spiegel sozialer Medien
摘要
Die sogenannte Clankriminalität erfährt in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit in der deutschsprachigen medialen Berichterstattung und auch in der kriminologischen Forschung. Über die Frage, ob und inwiefern „Clankriminalität“ ein bedeutsames Kriminalitätsphänomen ist, wird gesellschaftlich gerungen. Während aus der Wissenschaft überwiegend kritische Töne kommen, in denen beispielsweise Nutzen und Rechtmäßigkeit der Maßnahmen zur Bekämpfung der „Clankriminalität“ hinterfragt werden oder grundsätzlich kein eigenes oder neuartiges Phänomen erkannt wird, heben Sicherheitsbehörden auf polizeiliche Informationen ab, denen zufolge „Clankriminalität“ geeignet sei, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung negativ zu beeinflussen. Deshalb bedürfe es besonderer Maßnahmen. Ein Einfluss auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist empirisch bislang nicht belegt (Görgen et al. 2022, S. 43). Der vorliegende Beitrag strebt an, diese Erkenntnislücke zu verringern. Genutzt wurde hierfür ein Forschungsdesign, mit dem die öffentliche Wahrnehmung von „Clankriminalität“ durch einen Topic-Modeling-Ansatz aus dem Bereich Machine-Learning von 84.484 YouTube-Kommentaren untersucht wurde. Dabei zeigt sich eine weite thematische Breite, wobei Aspekte wie Sicherheitsempfinden, Furcht oder Angst jedoch keine Rolle spielen. Ergänzend wurde daher eine quantifizierende Inhaltsanalyse von 545 Kommentaren, die das Wort „Angst“ enthalten, durchgeführt, um einen möglichen Einfluss auf das Sicherheitsempfinden zu prüfen. Dabei zeigt sich, die Angst staatlicher Institutionen vor „Clan(kriminellen)“ häufiger erwähnt wird als Angst der Bevölkerung vor „Clan(kriminellen)“.