Zur Polysemie der ‚Clankriminalität‘ und der Schwierigkeit eines Alternativbegriffs
摘要
Die vielfach formulierte Kritik an der Begrifflichkeit ‚Clankriminalität‘ greift oft zu kurz. Diese Bezeichnung eines vermeintlich distinkten Kriminalitätsphänomens ließe sich aber nicht lediglich durch einen alternativen Begriff, ein mögliches Synonym, ersetzen. Das Wort ‚Clankriminalität‘ verweist zwar scheinbar auf ein spezifisches Phänomen, jedoch sind die in der Regel vorgenommenen Zuschreibungen äußerst heterogen und unspezifisch. Im vorliegenden Beitrag wird vor allem die Frage diskutiert, inwieweit es sich bei der Verwendung der Bezeichnung um semantische Mehrdeutigkeit, um Polysemie, handelt. Dies wird diskurstheoretisch unter Rückgriff auf verschiedene Forschungsbefunde erörtert. Es wird unter anderem argumentiert, dass der Annahme, es handle sich bei einer sozialen Erscheinungsform um ‚Clankriminalität‘, die Zuschreibung eines Wirksystems ‚Clan‘ zugrunde liegt. Ein derartiges, andere Erklärungsfaktoren abweichenden Verhaltens überlagerndes Wirksystem ist aus sozialwissenschaftlicher Sicht mindestens fragwürdig und birgt angesichts der Thematik zudem die Gefahr, folgenreiche Vorurteile zu (re-)produzieren.