Therapeutische Erreichbarkeit und Rückfälligkeit von jugendlichen Straftätern mit Verbindungen zur Organisierten Kriminalität und „Clankriminalität“
摘要
Organisierte kriminelle Gruppen sind in Deutschland ein aktuelles Thema. Dem steht ein Mangel an wissenschaftlicher Forschung gegenüber. In diesem Buchkapitel wird die Berliner Studie zu jugendlichen und heranwachsenden Straftätern mit Bezügen zur Organisierten Kriminalität (OK), insbesondere zur „Clankriminalität“, vorgestellt. Ziel der Studie war es, die sozialtherapeutische Erreichbarkeit und Rückfälligkeit dieser Gruppe im Jugendstrafvollzug zu untersuchen. Die OK-Zugehörigkeit wurde durch eine Expertinneneinschätzung auf einer vierstufigen Skala (keine bis deutliche Hinweise) erfasst. Jugendliche mit OK-Bezügen wurden früher und häufiger straffällig und zeigten während der Haft deutlich mehr Fehlverhalten, was zu mehr Therapieabbrüchen führte. Hinsichtlich der Rückfälligkeit nach der Entlassung zeigte sich ein weniger eindeutiges Bild. Die OK-Zugehörigkeit war nur mit schweren Gewaltrückfällen innerhalb von 5 Jahren signifikant assoziiert. Auch wenn die Ergebnisse auf eine eingeschränkte therapeutische Erreichbarkeit und eine besondere Herausforderung im Umgang mit dieser Klientel hinweisen, erscheint es verfrüht, daraus eine generelle Kontraindikation für die Sozialtherapie abzuleiten. Weitere Forschung ist nötig, um eine unaufgeregte Diskussion über involvierte Personen zu ermöglichen.