Hinduismus: Gewaltnarrative in den Veden, den Dharmaśāstras und der Bhagawadgita
摘要
Seit Jahren steigt in Indien die Anzahl der Gewalttaten gegenüber Frauen, hierarchisch tieferstehenden Geburts- (varṇa) und Berufsgruppen (jāti) sowie Kastenlosen (dalits; scheduled castes) und indigenen Gemeinschaften (ādivāsī; scheduled tribes) kontinuierlich an. Dass diese Gewalt- und Tötungsdelikte noch immer ein akutes Gegenwartsproblem von allerhöchster sozialer und politischer Brisanz darstellen, legt einen gesamtgesellschaftlichen Konsens über deren grundsätzliche Rechtmäßigkeit nahe, der sich anhand tradierter Normen- und Wertvorstellungen sowie prämoderner Denk- und Handlungsmuster legitimiert, die auf traditionell hinduistischen Ideen basieren. Der Beitrag vollzieht die ideengeschichtlichen Grundlagen religiös legitimierter Entmenschlichung und Gewalt sowie latenter wie offener Misogynie im Hinduismus von seinen vedischen Ursprüngen im 2. vorchristlichen Jahrtausend über die Bhagawadgita und Dharmaśāstras bis zur Gegenwart nach.