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Islamische Traditionen im Umgang mit imperfekten politischen Ordnungen

  • Henning Sievert

摘要

Der Beitrag umreißt zunächst Grundfragen politischer Ordnung und Legitimität in der Entstehungszeit des Islam, die bis heute sowohl traumatisch zur Abschreckung als auch klassisch zum Vorbild aufgerufen werden. Zu den nachwirkenden Strukturen gehören die Fragen, wer die Gemeinschaft führen darf und wer ihre islamische Perfektion bzw. deren Mangel beurteilt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts dominierten jedoch quietistische Hauptströmungen, die keinen Widerstand wegen eines nicht ausreichend islamischen Charakters der politischen Ordnung rechtfertigten. Die Beurteilung oblag den in der vorherrschenden Tradition anerkannten islamischen Rechtsgelehrten. Randgruppen reduzierten die Bewertungskriterien legitimer Herrschaft dagegen auf die unmittelbare Ableitbarkeit aus Prophetenüberlieferung und koranischem Text, zu dem sie unter Ausblendung historischer oder kontextueller Umstände direkten Zugang beanspruchten. In Verbindung mit dem Bedeutungsverlust der Rechtsgelehrten machten sie eine modernistische Vereinfachung von Auslegung und Scharia zum Maßstab einer islamisch legitimen perfekten politischen Ordnung.