Konflikte werden häufig als Ereignisse betrachtet, die identifizierbare Ursachen haben und in denen sich klar gegenüberstehende Konfliktparteien beschreiben lassen. Unser Beitrag erkundet dagegen die Komplexität sozialer Konflikte, den Einfluss unterschiedlichster Faktoren auf deren Dynamik und beleuchtet so die Kontingenz sozialer Konflikte, abrupte Wechsel der Dynamik statt schematischer Verläufe und sich wandelnde Rollen selbst zentraler Konfliktakteure. Anhand zweier empirischer Beispiele um den Bau einer syrischorthodoxen Kirche in einer hessischen Kleinstadt und einer Moschee in einer sächsischen Großstadt schlagen wir mit Rückgriff auf epistemologische Perspektiven der Assemblage Theorie und ANT vor, Konflikte als dynamische Konstellationen, als Gefüge zu untersuchen, in denen die Wechselbeziehungen der Konfliktkomponenten über die Zeit den Verlauf von Konflikten bestimmen. Dabei gehen vermeintlich klare Ursachen in einem Geflecht von Konfliktkomponenten auf, scheinbar unwesentliche Elemente, auch materielle bekommen durch ihre zeitliche und räumliche Position in diesem Geflecht eine Wirkmacht und tragen zur Eskalation, aber auch zu unerwarteter Deeskalation bei.

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Konflikte als dynamische und komplexe Konstellationen verstehen

  • Katrin Großmann,
  • Maria Budnik,
  • Christoph Hedtke,
  • Alexander Krahmer

摘要

Konflikte werden häufig als Ereignisse betrachtet, die identifizierbare Ursachen haben und in denen sich klar gegenüberstehende Konfliktparteien beschreiben lassen. Unser Beitrag erkundet dagegen die Komplexität sozialer Konflikte, den Einfluss unterschiedlichster Faktoren auf deren Dynamik und beleuchtet so die Kontingenz sozialer Konflikte, abrupte Wechsel der Dynamik statt schematischer Verläufe und sich wandelnde Rollen selbst zentraler Konfliktakteure. Anhand zweier empirischer Beispiele um den Bau einer syrischorthodoxen Kirche in einer hessischen Kleinstadt und einer Moschee in einer sächsischen Großstadt schlagen wir mit Rückgriff auf epistemologische Perspektiven der Assemblage Theorie und ANT vor, Konflikte als dynamische Konstellationen, als Gefüge zu untersuchen, in denen die Wechselbeziehungen der Konfliktkomponenten über die Zeit den Verlauf von Konflikten bestimmen. Dabei gehen vermeintlich klare Ursachen in einem Geflecht von Konfliktkomponenten auf, scheinbar unwesentliche Elemente, auch materielle bekommen durch ihre zeitliche und räumliche Position in diesem Geflecht eine Wirkmacht und tragen zur Eskalation, aber auch zu unerwarteter Deeskalation bei.