Aushalten, was nicht auszuhalten ist. Schmerz, Sprachlosigkeit und Resilienz in Theologie, Religion und Spiritualität
摘要
„Das ist ein Schmerz, das ist nicht zum Aushalten. Aber es bleibt mir ja nichts anderes übrig – ich kann nur aushalten, was nicht zum Aushalten ist. Und komischerweise ist es dann sogar ganz gut auszuhalten. Irgendwie.“ Mit diesen Worten hat ein knapp 39-jähriger Patient – Diagnose: maligner Tumor in nicht exakt definierbarer Zusammensetzung – die Wirkung und Nebenwirkung einer Chemotherapie nach dem zweiten Rezidiv beschrieben: erfahren, fast schon routiniert im Umgang mit großen, mehrstündigen Operationen, Wundheilungsstörungen und zunehmend eingeschränkter Beweglichkeit. Die Aussage ist deshalb so bemerkenswert, weil der Patient während der dreieinhalb Jahre dauernden Krankheit vergleichsweise selten über körperlich eingrenzbare Schmerzen im Sinn einer schmerzenden Operationswunde, einer schmerzenden Verbrennung der Haut oder von Kopf- und Gliederschmerzen gesprochen hat. Der Beitrag geht dieser Erfahrung zunächst meditativ nach, bringt sie ins Gespräch mit der Literatur zu verschiedenen Schmerztypen, zum Begriff des Leidens, zum Verhältnis von Schmerz und Sprache einschließlich einer verbal und kognitiv nicht mehr artikulierbaren Sprachlichkeit, und setzt all dies in Relation zur jüngeren Resilienzforschung.