Die Perspektive der Soziologie sozialer Probleme fordert dazu auf, historisch und nationalgesellschaftlich situierte Konstellationen von Rassismus und Rassismuskritik im Hinblick darauf zu analysieren, was jeweilige Formen rassistischer Diskriminierung kennzeichnet. Dies betrifft ihre Bedeutung für die Begründung, Herstellung und Rechtfertigung sozialer Ungleichheiten und Hierarchien, aber auch die Frage, von wem und in welcher Weise jeweilige Rassismen kritisiert, d. h. zu einem sozialen Problem erklärt werden, das auf seine Abschaffung ausgerichtete Maßnahmen erfordert. Der Beitrag verdeutlicht diese Perspektive auf der Grundlage eines Verständnisses von Rassismus als einer Ideologie, deren Entstehung als Reaktion auf den Legitimationsbedarf verstanden werden kann, der auf die Widersprüche zwischen kolonialen Herrschaftsverhältnissen, Sklaverei und nationalistischen Gesellschaftskonzepten einerseits und dem universalistischen Selbstverständnis moderner Gesellschaften als Gesellschaften freier und gleicher Individuen andererseits verweist. Akzentuiert wird, dass dieser normative Universalismus zugleich unterschiedliche Formen der Rassismuskritik motiviert und ermöglicht. Dass dies jedoch keineswegs zu einer umfassenden Überwindung von Formen rassistischer Diskriminierung geführt hat, ist ein unstrittiger Konsens der Rassismusforschung. Der Beitrag zeigt auf, dass es gleichwohl politisch und wissenschaftlich kontrovers ist, was gegenwärtige Formen von Rassismus kennzeichnet, und ob es sich um eine zwar nach wie vor wirkmächtige, aber unzeitgemäße Ideologie oder um ein Strukturmerkmal moderner Gesellschaften handelt.

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Rassismus

  • Albert Scherr,
  • Stefan Müller

摘要

Die Perspektive der Soziologie sozialer Probleme fordert dazu auf, historisch und nationalgesellschaftlich situierte Konstellationen von Rassismus und Rassismuskritik im Hinblick darauf zu analysieren, was jeweilige Formen rassistischer Diskriminierung kennzeichnet. Dies betrifft ihre Bedeutung für die Begründung, Herstellung und Rechtfertigung sozialer Ungleichheiten und Hierarchien, aber auch die Frage, von wem und in welcher Weise jeweilige Rassismen kritisiert, d. h. zu einem sozialen Problem erklärt werden, das auf seine Abschaffung ausgerichtete Maßnahmen erfordert. Der Beitrag verdeutlicht diese Perspektive auf der Grundlage eines Verständnisses von Rassismus als einer Ideologie, deren Entstehung als Reaktion auf den Legitimationsbedarf verstanden werden kann, der auf die Widersprüche zwischen kolonialen Herrschaftsverhältnissen, Sklaverei und nationalistischen Gesellschaftskonzepten einerseits und dem universalistischen Selbstverständnis moderner Gesellschaften als Gesellschaften freier und gleicher Individuen andererseits verweist. Akzentuiert wird, dass dieser normative Universalismus zugleich unterschiedliche Formen der Rassismuskritik motiviert und ermöglicht. Dass dies jedoch keineswegs zu einer umfassenden Überwindung von Formen rassistischer Diskriminierung geführt hat, ist ein unstrittiger Konsens der Rassismusforschung. Der Beitrag zeigt auf, dass es gleichwohl politisch und wissenschaftlich kontrovers ist, was gegenwärtige Formen von Rassismus kennzeichnet, und ob es sich um eine zwar nach wie vor wirkmächtige, aber unzeitgemäße Ideologie oder um ein Strukturmerkmal moderner Gesellschaften handelt.