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Gesellschafts- als Organisationskritik: Die Readressierung von Kritik als Motor von Vernünftigkeit und Lernen

  • Tamara Freis

摘要

Das Verhältnis von Organisation und Kritik lässt sich schwer ohne den Rekurs auf Gesellschaftskritiken verstehen. Als umfassendes Sozialgebilde kann eine Gesellschaft zwar kritisiert werden, die Kritik trifft jedoch auf keinen Adressaten. Gesellschaftskritiken brauchen Adressaten, sofern sie nicht ins Leere laufen möchten. Die Kritik richtet sich dann an adressierbare Systeme, also an Personen wie Organisationen. Der Beitrag zeichnet Readressierungen von Kritik nach, indem er dies an historischen Beispielen, die für besonders eindringliche und (organisations-)pädagogisch relevante Gesellschaftskritiken einstehen, exemplarisch zeigt. Die Analyse kritischer Diskussionen über Gefängnisse in grundsätzlich verschiedenen Gesellschaftsordnungen [Guantánamo Bay (USA), Stammheim (BRD) und Bautzen (DDR)] zeigt die Funktion von Gesellschaftskritik und ihre Personalisierung über Adressen. In dieser Hinsicht werden die unterschiedlichen Fälle vergleichbar. Organisationspädagogische Anschlüsse liegen in der Untersuchung personaler Lernprozesse, in denen es um die Distribution von Verantwortung für Veränderungsprozesse und deren Folgen geht. Der Beitrag zeigt, dass für wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Fragen der Verantwortlichkeit für kritisierte gesellschaftliche Zustände eine Differenzierung von Organisation und Gesellschaft unerlässlich ist.