Zwischen ‚ratloser Verlegenheit‘ und ‚Beurteilungsbasar‘ – zur organisierten Kritik in öffentlichen Organisationen am Beispiel von Mitarbeiter*innen-Beurteilungen
摘要
Der vorliegende Beitrag widmet sich der grundlegenden Frage, welche Funktion interne Kritik in Organisationen eigentlich hat. Diese Fragestellung wird mit Blick auf das Beurteilungswesen in öffentlichen Organisationen als eine Form organisierter Kritik konkretisiert. Dabei werden die periodisch wiederkehrenden Beurteilungen, bei denen alle Mitarbeiter*innen mit Bewertungskennzahlen versehen und in Rangfolgen gebracht werden, in ihrer Funktionalität wie Prozessualität vor dem Hintergrund der von Luhmann (1971) beschriebenen „ratlosen Verlegenheit“ betrachtet, die sich einstellt, wenn die Ergebnisse von Personalbeurteilungen als Grundlage für organisationale Entscheidungen dienen. Auf diesem Weg rücken auch die Folgeprobleme der Beurteilungspraxis ins Visier, die auf sog. ‚Beurteilerkonferenzen‘ als Arenen des organisationalen Ringens um Beurteilungsergebnisse bearbeitet werden müssen. Diese Arenen bieten vielfältige Lerngelegenheiten, in denen die Beurteiler*innen erfahrungsbezogen lernen (müssen), mit welchen Strategien sie möglichst gute Bewertungen und Rangplätze für die von ihnen Beurteilten am ehesten erfolgreich durchsetzen. Die formalisierten und kriteriengeleiteten Beurteilungen unterliegen somit faktisch der Durchsetzungsfähigkeit der Beurteiler*innen. Die Argumentationen zusammenfassend entwickelt der Beitrag Antworten auf die Frage, für welche Probleme Beurteilungen die Lösung sind und was aus der Auseinandersetzung mit dem Beurteilungswesen organisational gelernt werden kann.