Johann Gottlieb Fichtes „Reden an die deutsche Nation“ von 1807/1808
摘要
Fichtes „Reden an die deutsche Nation“ waren und sind ein im pädagogischen Diskurs viel beachtetes Werk, das, vergleichend zu anderen Ansätzen zur Nationalerziehung, aus einer erkennbar philosophischen Feder stammt. Hierbei verstand Fichte es als seine Losung, die Deutschen aus einem Dämmerschlaf zu wecken und sich gegen napoleonische Fremdbestimmung zu erheben. Der Philosoph verarbeitete in seinen Ideen über eine neue Gesellschaftsordnung die demütigenden Ereignisse des Vorjahres, zu denen zunächst der Untergang des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und dann die verlorenen Schlachten bei Jena und Auerstedt zählten. Am Verlust des eigenen Landes gab er nicht-patriotisch gesinnten Menschen die Schuld und schloss dabei insbesondere eine aus seiner Sicht verfehlte Idee von Erziehung ein. Seine Rhetorik ist die wohl schärfste, wenngleich abstrakteste, aller hier untersuchten Werke. Seine Forderungen, etwa die nach einer Ansonderung der Jugend von Erwachsenen zu erzieherischen Zwecken, stellen die mitunter radikalsten Erwägungen dar. Neu an Fichtes Ideen war, dass Nationalerziehung eine neue Politik entscheiden, gar ein Deutschland errichten sollte – und nicht umgekehrt; Politik die Erziehung bestimmt. Obschon dessen Reden in anderen Kontexten bereits erforscht wurden, ist ihre Einbeziehung, mit einer speziellen Betrachtung ihres nationalpädagogischen Aspektes, unerlässlich. Dies zeigt sich darin, dass Fichtes „Weckruf“ einen so nachdrücklichen Eindruck hinterließ, dass dieser, wie in den weiteren Untersuchungen aufgezeigt wird, häufig eine Rückbesinnung auf jene Reden erzeugte.