Christian Daniel Voß’ „Versuch über die Erziehung für den Staat – als Bedürfniß unsrer Zeit, zur Beförderung des Bürgerwohls und der Regenten-Sicherheit“ von 1799
摘要
Aus einer staatsrechtlichen Perspektive betrachtete Christian Daniel Voß Fragen, die sich am Ausgang des 18. Jahrhunderts rund um die Erziehung stellten. Ebenso wie bei Campe rückte Erziehung als eine Aufgabe des Staates in den Mittelpunkt, doch kam Voß zu anderen Antworten und zu einer konkreteren Sichtweise auf den Staat selbst, welche bei den ersten drei Protagonisten noch nebulös erschien. Hinsichtlich bisheriger Überlegungen zu nationaler Erziehung beklagte er, dass junge Menschen in Industrieschulen vorwiegend als billige Arbeitskräfte missbraucht werden sollten. Dabei bewegen wir uns in der Zeit Voß’ Werkes in einer Epoche, in welcher die Deutschen erstmals in der Neuzeit Besatzung erlebten und sich vor Fragen ihrer eigenen Identität gestellt sahen. Während die ersten drei Ansätze in sicher geglaubten Verhältnissen von Frieden und Feudalherrschaft entstanden, entstehen nun Konzepte zur Nationalerziehung aus empfundener Not heraus. Voß sprach sich als Professor für Staatsrecht klar für eine Autorität des Staates aus. Nationalerziehung mündete für ihn daher in einer positiven Einstellung zum Staat. Dabei war es für ihn keineswegs widersprüchlich, sich gleichermaßen für Frauenrechte und gewaltfreie Erziehung einzusetzen, was er im hier untersuchten Werk unternahm. Eine Erziehung zum Staatsbürger, die auf den ideellen Nutzen für die Gemeinschaft und den ökonomischen Nutzen für den Staat ausgelegt war, und welche sich aufgrund eines einheitlichen staatsbürgerlichen Unterrichts auf übereinstimmende Werte und Grundsätze stützte, war das erklärte Ziel im nationalpädagogischen Ansatz von Christian Daniel Voß.