Religiöser Wandel in Deutschland – Erkenntnisse aus vier Jahrzehnten Forschung mit ALLBUS-Daten
摘要
Debatten über die religiöse Entwicklung in Deutschland entbrennen oft an den jährlich berichteten Kirchenaustrittszahlen der christlichen Großkirchen. Sehen die einen diese als Beleg für eine weitreichende Säkularisierung im Sinne eines Bedeutungsverlustes von Religion in Europa und Deutschland, verweisen Vertreter der Individualisierungstheorie des Religiösen auf eine weiter voranschreitende Trennung von Kirchlichkeit und subjektiver Religiosität. Antworten auf diese unterschiedlichen Interpretationen liefern die seit 1980 erhobenen Daten des ALLBUS. Mit ihnen kann eine tiefere Erosion christlichen Glaubens abgebildet werden, welche im für die Historie Kirchen kurzen Zeitraum zwischen 1990 und 2021 kontinuierlich voranschritt. Sie wird begleitet von einer stärkeren Öffentlichkeit von Religion, allerdings im negativen Sinne. Neben dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche prägen vor allem die Auseinandersetzungen mit dem Islam, der Religion, welche zentral für die religiöse Pluralisierung in Deutschland ist, die öffentlichen Debatten.