Kundendienst statt Radlogistik?
摘要
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen Lastenräder in europäischen Städten vor allem im Lebensmitteleinzelhandel und im Kleingewerbe zum Einsatz. Eine ausgefeilte Lastenradlogistik war dafür nicht nötig. Hilfsarbeiter und Gesellen lieferten als Betriebsangehörige von Einzelhändlern und Gewerbetreibenden die Waren per Lastenrad zu den Kund:innen. Als in den 1950er-Jahren preisgünstige fossile Energiequellen die Massenmotorisierung und in der Folge eine tiefgreifende Umgestaltung urbaner Infrastrukturen ermöglichten, kamen Lastenräder fast vollständig außer Gebrauch. Ausnahme war nur der kontinuierliche, flottenmäßige Einsatz bei Postgesellschaften. Aktuelle Bemühungen, Lastenräder wieder verstärkt in der Logistik auf der „letzten Meile“ einzusetzen, treffen auf etablierte Strukturen einer umfassend digitalisierten Kurier-, Express- und Paketbranche. Mit früheren Nutzungsmodalitäten, wie sie dieser Beitrag aufgrund eines noch unzureichenden Forschungsstands nur thesenartig skizzieren kann, sind heutige Anforderungen an die Lastenradlogistik in diesem Sektor kaum vergleichbar. Allerdings kann gerade die damalige Belieferung von Kund:innen im Einzelhandel oder Kleingewerbe, für die gar keine ausgefeilte Logistik nötig ist, einen Denkanstoß für zukünftige „low-tech“ Einsatzfelder geben.