Forschungsstand: Gesellschaftliche Naturverhältnisse
摘要
Was bedeutet es, sich an den Vorgaben ‚der‘ Natur zu orientieren, sie nachzuempfinden, sie zu bearbeiten und unterzuordnen oder aber sich nach ihr zu richten? Und warum steht ‚Natur‘ für eine Ordnung, die intrinsisch gut und sinnvoll ist? Die sezifischen Vorstellungen der Begriffe Natur und Natürlichkeit sind nicht als überhistorische und kulturuniverselle Bedeutungen abrufbar. So ist auch das Normativ des natürlichen Gebärens auf ein ideengeschichtlich spezifisches Ideal zurückzuführen, das auf der Höhe jener Zeit kulturell übersetzt wird, in der es wirksam ist. Um sich der Frage nach dem Einfluss von Natur- und Beziehungsidealen auf individuelle Geburtsvorstellungen und -wünsche zu nähern, reflektiert das folgende Kapitel die historische und kulturelle Plastizität der Naturvorstellungen und -begriffe. Diese Kontingenz des Naturbegriffs, der einerseits eine ontologisierte Sphäre und Ordnung bezeichnet, andererseits aber von kulturellen Formulierungen und zeitgemäßen Übersetzungen abhängt, ist der Ausgangspunkt einer ideologiekritischen Auseinandersetzung mit Natürlichkeitsidealen.