Im modernen Verständnis von Führung wird eine außenorientierte Perspektive der Führungskraft durch eine innere, bedürfnisorientierte ergänzt. Das Erleben von Konflikten ist zunehmend wahrgenommene Konfliktkomplexität – aufgrund vielfältiger Erwartungen und zunehmender Uneindeutigkeit. Auf der Handlungsebene entsteht diese durch eine interaktionistische Dynamik in Konfliktszenarien, auf der Organisationsebene erzeugen Unwägbarkeiten der sog. ‚VUCA‘- und auch ‚BANI‘-Welt (Unsicherheit, Komplexität, Kontingenz, Ambiguität, brüchig, ängstlich, nicht-linear, unbegreiflich) neue Konfliktanlässe. Die moderne Führungskraft -so unsere Hypothese- löst Konflikte durch außen- und innenbeobachtendes Komplexitätsmanagement, das durch Konsistenzstreben und -erleben motiviert wird und stressreduzierende Interaktionen ermöglicht. Bausteine dieses Komplexitätsmanagements sind neben einer situativen Konfliktanalyse auch die Sicherung der Handlungsfähigkeit durch Selbstwirksamkeit und bewusst wahrgenommene eigene Emotionen, Bedürfnisse und Bewältigungsressourcen sowie die der Interaktionspartner*innen. Wie Jongleur*innen balancieren kompetente Führungskräfte konflikthafte Situationen in mikro-, meso- und makroperspektivischen Dimensionen. Das theoretische Modell wird auf polizeiliche Führungskräfte angewandt: diese werden mit vielfältigen Konflikten in allen drei Dimensionen konfrontiert, die möglicherweise systemische Paradoxien erzeugen bzw. für die Führungskraft nicht lösbar sind, aber in lösungsmotivierte Handlungen überführt werden müssen. Ziel dieses Beitrages ist die Verknüpfung der soziologischen Analyse von Konfliktstrukturen mit psychologischen Aspekten der Bedürfnisorientierung, um ein theoriebasiertes Praxis-Modell für Führungsarbeit in Konflikten zu entwickeln. Ergänzt wird das Gerüst durch eine Überprüfung eines von uns entwickelten, ressourcenorientierten Trainingstools, das ein erster Schritt in der Ausbildung von polizeilichen Führungskräften als Komplexitätsmanager*innen sein kann.

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Führungskräfte als Komplexitätsmanager*innen – ein interdisziplinäres Modell für polizeiliche Konfliktlösungen

  • Andrea Dederichs,
  • Gerlind Pracht

摘要

Im modernen Verständnis von Führung wird eine außenorientierte Perspektive der Führungskraft durch eine innere, bedürfnisorientierte ergänzt. Das Erleben von Konflikten ist zunehmend wahrgenommene Konfliktkomplexität – aufgrund vielfältiger Erwartungen und zunehmender Uneindeutigkeit. Auf der Handlungsebene entsteht diese durch eine interaktionistische Dynamik in Konfliktszenarien, auf der Organisationsebene erzeugen Unwägbarkeiten der sog. ‚VUCA‘- und auch ‚BANI‘-Welt (Unsicherheit, Komplexität, Kontingenz, Ambiguität, brüchig, ängstlich, nicht-linear, unbegreiflich) neue Konfliktanlässe. Die moderne Führungskraft -so unsere Hypothese- löst Konflikte durch außen- und innenbeobachtendes Komplexitätsmanagement, das durch Konsistenzstreben und -erleben motiviert wird und stressreduzierende Interaktionen ermöglicht. Bausteine dieses Komplexitätsmanagements sind neben einer situativen Konfliktanalyse auch die Sicherung der Handlungsfähigkeit durch Selbstwirksamkeit und bewusst wahrgenommene eigene Emotionen, Bedürfnisse und Bewältigungsressourcen sowie die der Interaktionspartner*innen. Wie Jongleur*innen balancieren kompetente Führungskräfte konflikthafte Situationen in mikro-, meso- und makroperspektivischen Dimensionen. Das theoretische Modell wird auf polizeiliche Führungskräfte angewandt: diese werden mit vielfältigen Konflikten in allen drei Dimensionen konfrontiert, die möglicherweise systemische Paradoxien erzeugen bzw. für die Führungskraft nicht lösbar sind, aber in lösungsmotivierte Handlungen überführt werden müssen. Ziel dieses Beitrages ist die Verknüpfung der soziologischen Analyse von Konfliktstrukturen mit psychologischen Aspekten der Bedürfnisorientierung, um ein theoriebasiertes Praxis-Modell für Führungsarbeit in Konflikten zu entwickeln. Ergänzt wird das Gerüst durch eine Überprüfung eines von uns entwickelten, ressourcenorientierten Trainingstools, das ein erster Schritt in der Ausbildung von polizeilichen Führungskräften als Komplexitätsmanager*innen sein kann.