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Subtile Botschaften: Vom Revolutionsfilm bis hin zum italienischen Faschismus

  • Frank Thomas Meyer

摘要

Wie bereits punktuell in dieser Arbeit erwähnt, werden die Potenziale der Großaufnahme bereits in ästhetischer und propagandistischer Hinsicht von den russischen Filmemachern und ihren Theoretikern, allen voran Sergej Eisenstein erforscht und angewandt. Sie finden schon in den 20er-Jahren über die Grenzen Russlands hinaus vielfach Beachtung. Aber auch im faschistischen Italien und schließlich im „Dritten Reich“ werden visuelle Bilder exzessiv eingesetzt, um neue Identitäten zu schaffen. Mit der in den 20er bis 40er-Jahren massiven symbolischen Aufwertung der Arbeit, die auch Länder wie die USA und Argentinien, Brasilien oder Mexiko erfasst (Vgl. Schembs 2018, S. 19 und 20), rückt die Figur des Arbeiters in das Rampenlicht der Propaganda. Die Nationalisierung des Arbeitsbegriffs in Russland, Italien und Deutschland beginnt in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damit einher geht eine Verzeitlichung: der Arbeiter wird zum Zukunftsträger der Nation (Vgl. Schembs 2018, S. 329). Trotz ihres erklärten Anitkommunismus avanciert nach der russischen Oktoberrevolution 1917 der Arbeiter zur „zentralen Figur der sowjetischen Propaganda“ (Schembs 2018, S. 101). Ab 1922 konstituiert sich der sowjetische Arbeiterheld, der seine Vorläufer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat. Trotz ideologischer Differenzen, die im Hinblick auf den gebrandmarkten russischen Bolschewismus zwischen dem Nationalsozialismus und Russland kaum größer ausfallen, greift das „Dritte Reich“ auf subtile Elemente wie der Typisierung und Pathetisierung zurück, sofern es für die eigene Bildpropaganda opportun erscheint. Josef Goebbels wird auf seiner Suche nach filmästhetischen Vorbildern nicht etwa im ideologisch nahestehenden faschistischen Italien fündig, vielmehr im russischen Revolutionsfilm. Es drängt sich die Frage auf, welche Gründe sich dafür finden lassen? Der faschistische Stil Italiens schwankt lange zwischen traditionsbewusst und fortschrittsorientiert, zwischen den antiken Vorbildern des römischen Reichs und einer zeitgenössischen faschistischen Sprache (Vgl. Baltzer 2008, S. 404). Während Italien mit seinen antikisierenden Darstellungen auf die historische Kontinuität einer glorreichen Vergangenheit pocht, formt das „Dritte Reich“ über die Montage einen neuen Arbeitertyp, der den Anforderungen der Industrialisierung, Produktivität und vermeintlich sauberen Arbeit gerecht wird (Vgl. Schembs 2018, S. 130).