Lernen als postdigitale Erfahrung
摘要
Dass sich schulischer Unterricht digitaler Medien annehmen muss, steht – zumindest aus bildungspolitischer Sicht – außer Frage. Was sich jedoch konkret hinter der Aufforderung nach einer Digitalisierung des Bildungswesens verbirgt, liegt weniger auf der Hand. Mögliche Ausarbeitungen einer zu erwerbenden digitalen Kompetenz umfassen bislang den kompetenten Umgang mit der konkreten digitalen Technik ebenso wie die Befähigung zur Reflexion dessen, wie sich die lebensweltliche Gemeinschaft und Gesellschaft unter den Bedingungen der Digitalität entwickelt. Unter Rückbezug auf das Konzept der Postdigitalität, das die Normalität einer Verstrickung von analogen und digitalen Praktiken unterstreicht, zeigt sich, dass die Forderung nach einer Berücksichtigung der Digitalität zum Großteil keine lebensweltliche Entsprechung hat. Theoretische Zugänge, die dem Postdigitalen Rechnung tragen, sind z. B. posthumanistische und phänomenologische Theorien, in denen Lernende in situationaler Verschränkung mit Technik als einer Ko-Konstrukteurin der Lernerfahrung adressiert werden. In kritischer Auseinandersetzung mit den genannten Theorien argumentiert der Aufsatz für die besondere Eignung postphänomenologischer Ansätze zur Analyse von postdigitalen Lernerfahrungen. Die postphänomenologische Analyse der multistabilen Struktur von Mensch-Technik Relationen eröffnet den Blick auf digitale Medien, die sowohl Gegenstand des Lernprozesses als auch methodisches Mittel bildungsbezogener Reflexion sind.