Die (post)digitale Universität. Lehre und Bildung nach der Pandemie
摘要
Der Streit über notwendige Neuausrichtungen der Universität ist kein neues Phänomen. In geschichtlicher Betrachtung ist der Anstieg des Publikationsaufkommens in Reformphasen wohlbekannte Normalität. Mit kritischem Blick auf die Auswirkungen der sog. Wissensgesellschaft schreibt Ex-HRK-Präsident Klaus Landfried (Landfried, 2004, S. 52): „Versuche zur Beantwortung der Fragen nach der Zukunft der Universitäten füllen viele Regalmeter“. Dass die Diskussion bis heute nicht abebbt und die Forderung nach grundlegenden Veränderungen regelmäßig wiederkehrt, liegt an der Abhängigkeit der akademischen Bildung von gesellschaftlichen Wandlungsprozessen, die aktuell durch technologischen Fortschritt oder unvorhergesehene Krisen wie die COVID-19-Pandemie in Gang gehalten werden. Der Beitrag konzentriert sich auf den Aspekt der Digitalisierung als Chiffre für gegenwärtig erhobene Forderungen, die Universität zeitgemäß anzupassen und zukunftsfähig zu machen. Seit der Pandemie haben wir es mit einer beschleunigten Implementierung digitaler Technologien zu tun, mit der die überlieferten Prinzipien universitärer Bildung erneut zur Disposition gestellt werden. Zunächst soll ein Rückblick auf die Jahrtausendwende als Startpunkt umfassender Reformen erfolgen, die im bisher nur wenig beachteten Zusammenhang mit dem technologiebedingten Krisenszenario des Y2K-Problems gedeutet werden. Anschließend wird das Scheitern der virtuellen Universität und der MOOCs diskutiert, die einst als Revolution angekündigt wurden, aber bei der Bewältigung der Corona-Krise nicht die erhoffte Rolle spielen konnten. Im letzten Schritt werden die Erfahrungen während Lockdowns und die Rückkehr zur Präsenzlehre in den Blick genommen, um die Universität als Ort des Widerstands erneut sichtbar werden zu lassen.