Die in Interviews entstehende wahrgenommene soziale Situation ist ein besonderes Kennzeichen der Befragung, welches sie deutlich von anderen Datenerhebungsverfahren unterscheidet. Diese trägt entscheidend zur Reaktivität der Methode bei. In diesem Kapitel schildern wir, welche Einflüsse und Interaktionseffekte in dieser kommunikativen Situation wirksam werden und welche davon zu Verzerrungen führen können. Man unterscheidet theoretisch unterschiedliche (systematische) Fehlerquellen, die im Total Survey Error (TSE) Framework zusammengefasst werden (vgl. Amaya et al. 2020; Groves und Lyberg 2010; Sen et al. 2021). Das TSE Framework umfasst sowohl Sampling Errors, die sich aus Art, Größe und Auswahlstrategie der Stichprobe ergeben (wie z. B. Non-Coverage oder Unit-Non-Response) als auch Non-Sampling Errors. Letztere Fehler sind eher auf Ebene der Datenerhebung und -analyse angesiedelt und umfassen beispielsweise Item-Non-Response sowie Measurement Errors im Allgemeinen. Entscheidenden Einfluss auf Messfehler hat die ausgeprägte Reaktivität der Methode (und das beginnt mit der Informierten Einwilligung, vgl. Plutzer 2019). Standardisierung kann hier in gewissem Maße Abhilfe schaffen, indem sie den Ablauf der Befragung, das Instrument selbst sowie die Handlungen der interviewenden Personen (durch Schulung und Anweisungen) festschreibt und Störeinflüsse so gering wie möglich hält. Dies wirkt sich insbesondere auf die so genannten Beobachtungsfehler (observational errors) aus, die sich zusammensetzen aus Einflüssen der Untersuchungsanlage, der Interviewsituation, der Interviewenden und Befragten sowie Merkmalen des Fragebogens. Bis auf den letzten Bereich, der in Kap.  3 diskutiert wird, gehen wir auf alle Aspekte im Folgenden ausführlich ein (vgl. auch die Ausführungen zur Tailored Design Method (TDM) nach Dillman et al. 2014 in den Folgekapiteln).

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Das Interview als soziale Situation

  • Wiebke Möhring,
  • Daniela Schlütz

摘要

Die in Interviews entstehende wahrgenommene soziale Situation ist ein besonderes Kennzeichen der Befragung, welches sie deutlich von anderen Datenerhebungsverfahren unterscheidet. Diese trägt entscheidend zur Reaktivität der Methode bei. In diesem Kapitel schildern wir, welche Einflüsse und Interaktionseffekte in dieser kommunikativen Situation wirksam werden und welche davon zu Verzerrungen führen können. Man unterscheidet theoretisch unterschiedliche (systematische) Fehlerquellen, die im Total Survey Error (TSE) Framework zusammengefasst werden (vgl. Amaya et al. 2020; Groves und Lyberg 2010; Sen et al. 2021). Das TSE Framework umfasst sowohl Sampling Errors, die sich aus Art, Größe und Auswahlstrategie der Stichprobe ergeben (wie z. B. Non-Coverage oder Unit-Non-Response) als auch Non-Sampling Errors. Letztere Fehler sind eher auf Ebene der Datenerhebung und -analyse angesiedelt und umfassen beispielsweise Item-Non-Response sowie Measurement Errors im Allgemeinen. Entscheidenden Einfluss auf Messfehler hat die ausgeprägte Reaktivität der Methode (und das beginnt mit der Informierten Einwilligung, vgl. Plutzer 2019). Standardisierung kann hier in gewissem Maße Abhilfe schaffen, indem sie den Ablauf der Befragung, das Instrument selbst sowie die Handlungen der interviewenden Personen (durch Schulung und Anweisungen) festschreibt und Störeinflüsse so gering wie möglich hält. Dies wirkt sich insbesondere auf die so genannten Beobachtungsfehler (observational errors) aus, die sich zusammensetzen aus Einflüssen der Untersuchungsanlage, der Interviewsituation, der Interviewenden und Befragten sowie Merkmalen des Fragebogens. Bis auf den letzten Bereich, der in Kap.  3 diskutiert wird, gehen wir auf alle Aspekte im Folgenden ausführlich ein (vgl. auch die Ausführungen zur Tailored Design Method (TDM) nach Dillman et al. 2014 in den Folgekapiteln).