Häusliche Gewalt aus der Perspektive der Kinder
摘要
Dieses Kapitel wird Sie nicht nur emotional ergreifen, sondern Ihnen die Realität direkt vor Augen führen. Nicht nur im beruflichen Umfeld sind Aussagen wie diese der Alltag vieler Kinder. Jeden Tag erlebte ich in unzähligen Gesprächen mit betroffenen Kindern und ihren geliebten Bindungspersonen, dass die Systemschwächsten Grausamkeiten erfahren, die ein Kind niemals erleben sollte. Sie sind in eine Familie geboren, deren Eltern bereits zahlreiche seelische Verletzungen in ihrer eigenen Kindheit erleben mussten, ohne sich jemals mit ihrem eigenen „inneren Schmerz“ auseinandergesetzt zu haben, drehen sie (un-)bewusst die Gewaltspirale weiter. Insbesondere in Stresssituationen werden Trigger der Vergangenheit losgelöst. Im Folgenden ein Beispiel aus der Praxis: „Du bist eine dreckige Hure und ich habe dich nur gefickt.“ (Kevin, 5 Jahre). Diese Aussage von Kevin wurde im Kindergarten intensiv diskutiert. Während die Kindesmutter mit bagatellisierendem Verhalten die Aussage ihres Kindes hinunterschraubte und ihre Körpersprache den inneren Druck zeigte, wurde mir sehr deutlich, wie viel Angst die Kindesmutter vor den Konsequenzen der Fachkräfte und möglichen einleitenden Schritten hatte. Oftmals werden aufgrund der persönlichen Hilfeschreie, Unwahrheiten in den Vordergrund gestellt, da der Begriff der Inobhutnahme, gem. § 42 SGB VIII „Mein Kind wird mir weggenommen“, noch fest in der Gesellschaft verankert ist. Doch wer die Wahrheit sagt, dem kann schnellstmögliche Hilfe angeboten werden, noch bevor es zu dramatischen, kindeswohlgefährdenden Situationen kommt. Im Beobachtungsprozess der Fachkräfte und einer geduldigen, persönlichen, als auch fachlichen Haltung hatte sich der 5-Jährige nach einigen Wochen seiner Bezugsbetreuerin anvertraut und die Wahrheit ans Tageslicht gebracht. Gewalt unter den Eltern bedeutet für Kinder regelmäßig eine Beeinträchtigung der Beziehung zu beiden Elternteilen. Aus Sicht der Kinder sind Mama und Papa in unterschiedlicher Weise in ihrer elterlichen Verantwortung hochgradig eingeschränkt und können nicht angemessen bzw. kaum auf die kindlichen Bedürfnisse eingehen. Keineswegs bedeutet dies, dass Kinder nicht erleben dürfen, dass es Konflikte zwischen ihren Eltern gibt. Die Wichtigkeit liegt in der positiven Verarbeitung von Konflikt und Lösung.