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Artikulation als Praxis der Theorie(um)bildung

  • Helge Schwiertz

摘要

In aktuellen Debatten zur soziologischen Theoriebildung wird zurecht kritisiert, dass der bloßen Reproduktion bestehender Theorien oft zu viel Gewicht gegeben und darüber die Praxis des Theoretisierens vernachlässigt würde. Ein wichtiger Beitrag ist hier das Theorizing-Modell, mit dem Richard Swedberg dafür argumentiert, die ersten Schritte der Theorieproduktion von bestehenden soziologischen Theorien zu lösen. Im Zuge dieser Interventionen ist jedoch wiederum das Potenzial eines Bezugs auf bestehende Theorien vernachlässigt worden. Dies geht mit einem eng begrenzten Verständnis des Theoretisierens und einer Tendenz zum Empirizismus einher. Mit dem Ansatz der Artikulation wird demgegenüber ein Weg ausgearbeitet, über den ausgewählte Theorieelemente von Anfang an herangezogen und zugleich eigenständige Theorien gebildet werden können. Dies erfolgt, indem Theorieelemente auf vorherige Kontexte rückbezogen, gezielt losgelöst und in einem kreativen Prozess zu Momenten eines neuen Theorieansatzes verknüpft werden. In diesem Prozess erhalten auch die verknüpften Theorien teils neue Bedeutung. Grundsätzlich können alle Theoriebezüge als performative Praxis begriffen werden, in der die referierten Theorien reproduziert aber immer auch verändert werden. Der Artikulationsansatz ermöglicht es jedoch, diese Bezugnahmen und ihre Effekte klarer zu reflektieren und gezielter herzustellen. Hierbei kann methodologisch unterschieden werden zwischen Praktiken der Retro-Artikulation, Dis-Artikulation und Re-Artikulation. Darüber hinaus wird skizziert, wie in Prozessen des Doing Theory nicht nur verschiedene Theorieelemente verknüpft, sondern auch wechselseitig mit qualitativer Sozialforschung in Bezug gesetzt werden können. Im Beitrag wird diese Theorie(um)bildung methodologisch und konzeptionell reflektiert, um diesen oft implizit praktizierten Ansatz besser begreifen und Impulse für weitere Theoriearbeiten geben zu können.