Lyrisches Theoretisieren kolonialer Herrschaft bei Trutz von Trotha
摘要
Der Beitrag untersucht die interdisziplinäre und innovative Forschungs- und Theoriepraxis in Trutz von Trothas Arbeit zu kolonialer Herrschaft als Beispiel lyrischer Soziologie und argumentiert dafür, lyrisches Schreiben als konstitutiv für Theoriebildung zu verstehen. Damit wird sowohl eine Pluralisierung von Theorieverständnissen und Theoriearbeit illustriert, die eine Nähe zwischen Forschenden, Forschungsprozess und Forschungsgegenstand evoziert; als auch analysiert, inwieweit bestimmte sprachliche Repräsentationen Theoriebildung auch ermöglichen. Anhand seiner Monographie zur Staatsentstehung in Togo, wird eine Fallstudie des Theoretisierens von Trothas vorgenommen und demonstriert, wie sein lyrischer Beobachtungs- und Schreibmodus mit seiner materialgeleiteten Theoriebildung zusammenhängt. Es wird gezeigt, dass von Trothas lyrisches Theoretisieren rezeptionsästhetisch nicht nur eine Nähe zur Leser:innenschaft, Sympathien für seine Forschung und ein affizierendes Verständnis seines Forschungsgegenstandes zulässt, sondern produktionsästhetisch auch die Möglichkeit schafft, innovative interdisziplinäre Theoriebildung zu vollziehen und seine eigene Rolle als passionierter Forscher zu explizieren. Anhand der Arbeiten von Trothas, die sowohl zu einem frühen Zeitpunkt Kolonialismus als Forschungsbereich der Soziologie adressierten, als auch selber kolonialistische Züge enthalten, werden die theoriepolitischen Möglichkeiten und Grenzen lyrischer Soziologie diskutiert.