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Vom Sprechen und Schweigen über uns selbst. Zur veränderten Rolle des Biographischen in sozialtheoretischen Texten

  • Markus Schroer

摘要

Der Beitrag behandelt den Stellenwert des Biographischen in sozialtheoretischen Texten, der sich aktuell signifikant verändert, so die These. Während sich die in der Soziologie als Klassiker behandelten Autoren (von Weber und Durkheim über Elias und Schütz bis zu Luhmann und Bourdieu), in ihren theoretischen Werken über ihre biographischen Hintergründe und räumlich-materiellen Grundlagen ihrer Theorieproduktion weitgehend ausschweigen, werden autobiographische Episoden aktuell dagegen zunehmend in die Texte gestreut und somit mehr und mehr zum festen Bestandteil von Theorietexten (Latour, Haraway, Bennett u. a.). Neuere Sozial- und Kulturtheorien öffnen sich dem einstmals verpönten Erzählen von Geschichten und sparen dabei auch das Anekdotische und Bekenntnishafte nicht mehr länger aus. Mit dem Einzug von autobiographischen Geschichten in Theorietexte ändert sich, so eine weitere These der folgenden Überlegungen, nicht nur die Form der theoretischen Werke, der Duktus der Argumentationen und ihr Stellenwert, sondern auch der Umgang mit ihnen. Statt der monolithischen Blöcke, die mitunter wie schwer einnehmbare Festungen erscheinen konnten, geben neuere Werke aus der Sozial- und Kulturtheorie Einblick in ihre jeweiligen Entstehungszusammenhänge, womit auch eine klare Verortung der eingenommenen Positionen angestrebt wird und die Autor:innen sichtbar hervortreten als Protagonist:innen des Erzählten. Damit wird zugleich die lange Zeit vorherrschende Trennung von Werk einerseits und Leben andererseits deutlich aufgeweicht.