Migrationsbewegungen aus der Levante-Region nach Brasilien: Mehrere Generationen verflochtener Geschichten
摘要
In meinem Beitrag wende ich mich einer transkontinentalen Verflechtungsgeschichte zu: Den Migrationsbewegungen aus dem Gebiet des (ehemaligen) Osmanischen Reiches nach Brasilien. Diese begannen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und lassen sich aus einer komplexen Gemengelage von wirtschaftlichen, religiösen, sozialen und politischen Faktoren heraus erklären. Die Eingewanderten, die sich später zumeist als Syrer*innen und Libanes*innen definierten, haben sich auf vielerlei Weisen in die kulturelle und politische Sphäre Brasiliens eingeschrieben. An diese Migrationstradition und damit verbundene Netzwerke und Alltagswissen knüpfte die Fluchtmigration der Syrer*innen an, die seit 2013 mit humanitären Visa nach Brasilien kamen. Zugleich waren sie dort mit Fremdbildern und Zuschreibungen konfrontiert, die ebenfalls mit der bereits über hundert Jahre währenden Präsenz von Menschen aus der Region der Levante in Brasilien in Zusammenhang stehen. Auf der Grundlage von ethnographischer Feldforschung und lebensgeschichtlichen Interviews diskutiere ich die Fluchtverläufe von Syrer*innen nach Brasilien. Diese verorte ich im Kontext dieser transkontinentalen Verflechtungsgeschichte, die sich z. B. in transnationalen Familienstrukturen sowie transgenerationalen Aufträgen und Wissensvermittlung widerspiegelt. Der Beitrag versteht sich als Plädoyer dafür, i) verstärkt historische und gegenwärtige Süd-Süd-Beziehungen in den Blick zu nehmen und ii) gegenwärtige Migrationsbewegungen historisch zu verorten.