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Weder Ökonomisierung noch Kulturalisierung: für eine konviviale Soziologie

  • Sérgio Costa

摘要

Die relativ kurze Geschichte der Soziologie als etablierte Disziplin ist eine Geschichte von Krisen: Relevanzkrisen, Finanzierungskrisen, epistemologische Krisen, institutionelle Krisen. Ihre gegenwärtige Notlage scheint jedoch gravierender zu sein als die bisherigen Krisen. Denn die anhaltende Kritik an der Soziologie betrifft längst nicht mehr nur marginale oder Teilaspekte der Disziplin, sondern ihre Daseinsberechtigung als relevante Wissensquelle. Die Intensität und Häufigkeit, mit der beispielsweise der Eurozentrismus, der methodologische Nationalismus oder der der Soziologie innewohnende Anthropozentrismus angeprangert werden, erschüttern die Grundlagen, auf denen die Disziplin beruht. Diesen Kritiken zufolge sind diese Mängel der Soziologie so inhärent, dass die Frage unausweichlich erscheint, ob die Soziologie weiterexistieren kann, wenn sie den Eurozentrismus, den methodologischen Nationalismus und den Anthropozentrismus einmal überwunden hat. In diesem Kapitel werde ich die gegenwärtige Notlage der Soziologie und die entsprechenden Auswege aus der Krise aus einer Perspektive diskutieren, die sowohl die Ökonomisierung als auch die Kulturalisierung der Disziplin zu vermeiden sucht. Zu diesem Zweck untersuche ich im ersten Abschnitt die gegenwärtigen Debatten über die Krise der Soziologie, um einige der wichtigsten Kritikpunkte kursorisch zu erläutern. Im zweiten Teil gebe ich einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen in der Konvivialitätsforschung, und im letzten und abschließenden Abschnitt zeige ich, wie in diesem Forschungsfeld wichtige Antworten auf viele der Probleme gefunden werden können, die die Soziologie heute plagen.