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Lektionen aus der New World Group: Anglophon-karibische Sozialwissenschaften in den 1960er Jahren aus wissenschaftssoziologischer Perspektive

  • Meta Cramer

摘要

Im Zuge wachsender Aufmerksamkeit für das koloniale Erbe der Soziologie und einer Öffnung ihres Kanons bringe ich im Folgenden zwei Argumente vor: erstens argumentiere ich auf der Metaebene dafür, systematisch an der Verbindung von post- und dekolonialen Arbeiten und der neueren Wissenschaftssoziologie zu arbeiten, um Praktiken und Institutionen der Wissensproduktion empirisch zu untersuchen. Ausgehend von den Beobachtungen post- und dekolonialer Arbeiten zu den Kontinuitäten kolonialer Macht in der Wissensproduktion, lässt sich mithilfe der Wissenschaftssoziologie detailliert untersuchen, wie genau koloniale Machtstrukturen in heutigen Ungleichheitsverhältnissen reproduziert werden, aber auch wie diesen aktiv begegnet wird. Zweitens werde ich anhand des historischen Fallbeispiels der New World Group (NWG) herausarbeiten, inwieweit diese einen in der eurozentrischen Soziologie vergessenen Theoriebeitrag repräsentiert, der auch heute noch kritisches Potential enthält. Die NWG formierte sich als interdisziplinäre intellektuelle Bewegung während der Unabhängigkeitsbewegung in den 1960er Jahren in der anglophonen Karibik, anhand dreier exemplarischer Karriereverläufe von NWG-Mitgliedern illustriere ich die institutionellen Bedingungen der Wissensproduktion der NWG. In der Diskussion der interdisziplinären Forschungsagenda der NWG zeige ich, dass sich diese durch eine hohe Sensibilität für globale Verflechtungen und Ungleichheiten auszeichnet und eine zeitgenössische globalsoziologische Agenda inspirieren kann.