Verflochtene Soziologien und imperial geprägte Geschichten – von Ibn Khaldun über Ludwig Gumplowicz bis Franz Oppenheimer
摘要
Die herkömmliche Fachgeschichtsschreibung der Soziologie wird zunehmend dahingehend kritisiert, dass sie die Beiträge von Sozialwissenschaftler*innen aus den Regionen des Globalen Südens nicht ausreichend gewürdigt habe und somit insgesamt ein einseitiges und unvollständiges Bild von der Entwicklung der Disziplin zeichne. Ibn Khaldun ist mittlerweile eine bekannte Figur. Bei Versuchen, den historischen Kanon der Soziologie zu erweitern, fällt sein Name und der Hinweis auf sein Werk als einer der ersten. Weniger bekannt hingegen ist die Tatsache, dass der arabische Gelehrte auch in der Gründungsphase des Faches bereits eine Rolle gespielt hat. In diesem Beitrag gehe ich dem paradoxen Sachverhalt nach, dass Ibn Khaldun in die Soziologiegeschichte nach Jahrhunderten erfolgreich eingegliedert werden konnte, während diejenigen, die sich um sein Erbe in der Gründungsphase des Faches verdient gemacht haben, aus ihrem Gedächtnis weitgehend verschwunden sind. Außerdem interessiert hier die Frage nach dem Rezeptionskontext, und wie er sich in eine verflochtene, imperial geprägte Historie einschreibt.