Die digitale Shadow Workforce: Globale Wertschöpfung und postkoloniale Kontinuitäten
摘要
Die großen Techfirmen wie Alphabet (Google), Amazon, Apple, Meta (Facebook) und Microsoft gelten oftmals als der Inbegriff von Innovation und wirtschaftlichem Erfolg. Milliarden von User*innen nutzen ihre Produkte und Dienstleistungen für die alltägliche Kommunikation, den Konsum und die Büroarbeit. Doch nur die wenigsten der User*innen sind sich über die Bedingungen der Herstellung, Instandhaltung und Bereitstellung dieser Dienstleistungen und Produkte bewusst. Denn jenseits der hochqualifizierten Programmierer*innen, Designer*innen und Ingenieur*innen existiert eine Vielzahl von Jobs, die als prekär, entfremdet und niedrig entlohnt gelten können. Eine globale Shadow Workforce operiert unsichtbar für das Auge westlicher Konsument*innen, ihre Arbeit wird oftmals in Niedriglohnländern des globalen Südens verrichtet. Die Externalisierung solcher Tätigkeiten, bei der postkoloniale Kontinuitäten eine wichtige Rolle spielen, werden an zwei Beispielen dargestellt: den philippinischen und indischen Social Content-Moderator*innen, die bei outgesourcten Dienstleistern die Netzwerke von Facebook von verstörenden Inhalten säubern und die chinesischen Industriearbeiter*innen, die unter harten Arbeitsbedingungen beim Zulieferer Foxconn die neuesten iPhone-Modelle herstellen. Der Beitrag gibt einen Überblick, wie der digitale Kapitalismus auf globale Wertschöpfungsketten aufsetzt und so hohe Renditen für Investor*innen erwirtschaftet. Diese Strukturen stehen in der Kontinuität der globalen Arbeitsteilung, ihre Verschleierung ist ein Kennzeichen der digitalen Ökonomie zu Beginn des 21. Jahrhunderts.