Krisenmanagement und Krisenkommunikation während der Pandemie: Aspekte des Regierungsversagens
摘要
Als die Bundesregierung und die Landesregierungen Ende Juli 2021 darüber diskutierten, ob und wenn ja, ab wann eine Testpflicht für die Heimkehrer von Urlaubsreisen gelten sollte, konnten aufgeklärte Beobachter zunächst ungläubig annehmen, die entsprechenden Meldungen in den Medien seien in der Zeit verrutscht. Sie mussten aus dem Vorjahr stammen. Denn 2020 waren die politisch Verantwortlichen mit denselben Problemen und denselben Konsequenzen – einem starken Anstieg der Infektionen durch die Urlaubsrückkehrer – konfrontiert. War es denkbar, dass diejenigen, die sich 12 Monate lang auf die Sommerlage vorbereiten konnten, dies unterlassen hatten? Nein, das konnte nicht sein, das war undenkbar. Also mussten die Meldungen doch zwölf Monate alt sein. Aber so war es nicht. Vielmehr führten die politisch Verantwortlichen dasselbe Stück erneut auf und warfen damit für alle Beobachter und Betroffenen die Frage auf, was sie an dem sich wiederholenden Umgang mit dem Infektionsgeschehen wohl nicht verstanden haben. Es drängte sich unverzüglich der Eindruck auf, den die deutsche Fußballnationalmannschaft wenige Wochen zuvor bei der Europameisterschaft erweckte: Jeder der „83 Mio. Bundestrainer“ hätte die deutsche Nationalmannschaft besser aufgestellt als derjenige, der im Amt war. Seit Monaten schon wurde das Krisenmanagement der Regierungen in Deutschland mehrheitlich negativ beurteilt. Das Vertrauen in die Maßnahmen war erheblich gesunken, nachdem ein erster Rally-Effekt – der bedeutet: in der Krise schart sich die Bevölkerung um die Regierung – abgewirtschaftet war. Insbesondere die Regierungsparteien der Bundesregierung, die schon lange vor der Pandemie keine Mehrheit in der Bevölkerung mehr hinter sich sammeln konnten, profitierten am Anfang vom Erschrecken über die Sicherheitsgefahr und litten danach umso heftiger wegen der vielen Fehlentscheidungen, Versäumnisse und Unachtsamkeiten, aus denen das fehlgeschlagene Krisenmanagement aufwuchs. Bei der Bundestagswahl, so die Umfragen im ersten Halbjahr 2021, würde die schwarz-rote Koalition keine Mehrheit mehr finden. So kam es auch.