Agency, KI und Datafizierung: Praxistheorien – jetzt erst recht!
摘要
Praxistheorien haben kein exklusives Anwendungsfeld, sie sind nicht auf bestimmte Medien oder Arten der Kommunikation festgelegt. Im Grunde können alle Gegenstände und Bereiche der Kommunikationswissenschaft und Medienanalyse von einer praxistheoretischen Sicht aus betrachtet und erforscht werden. Die vergangenen ungefähr 100 Seiten sind ein Plädoyer, dies verstärkt auch zu tun. Dahinter steht die Einsicht, dass praxistheoretische Perspektiven auf die drei großen, fortwährenden Metafragen nach der Integration von Mikroaktivitäten und Makrostrukturen, nach Konstanz und Wandel sowie Bedeutung, Sinn und Materialität konzeptionell überzeugende, integrative Mittelstellungen einnehmen. Praxistheoretisch orientiert nehmen wir als Forschende gewisse Aspekte eher wahr als andere – die an Körper gebundenen Routinen, mit denen Medien angeeignet und hergestellt werden, die dazu erforderlichen Kompetenzen und Fertigkeiten und die so im Praxisvollzug miteinander verknüpften Technologien, Praxisteilnehmenden und Wissensbestände. Aus Sicht der Autoren dieser Einführung tritt das praxistheoretische Programm das legitime Erbe der an den Cultural Studies orientierten, handlungs- und aneignungstheoretisch begründeten Mediensoziologie an, indem es deren Perspektivumkehr von Medienstrukturen auf alltags- und lebensweltliche Sinn- und Bedeutungsproduktion, ein zweites Mal, vom Kopf auf die Füße stellt: Die Etablierung des sozialtheoretischen Basisbegriffs (Medien-)Praktiken bricht den latenten Individual- und Bedeutungszentrismus auf und lenkt das Augenmerk der Kommunikations- und Medienforschung konsequent auf die Frage „Was machen Menschen und Medien?“…