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„Recht zu haben – und allein damit zu sein“: Die Rücktritte des Oskar Lafontaine

  • Christopher Prinz

摘要

Am 11. März 1999 trat Oskar Lafontaine ohne jede öffentliche Erklärung nach nur 135 Tagen im Amt nicht nur als Bundesminister der Finanzen zurück: Er legte auch den Vorsitz der SPD, den er bereits seit 1995 innehatte, und sein Mandat im Deutschen Bundestag, das er gerade erst bei der Bundestagswahl am 27. September 1998 errungen hatte, nieder. Während man mitunter noch Wochen später in der Bundesregierung und der SPD mindestens vorgab, darüber zu rätseln, was ihn zu diesem Schritt bewogen haben mochte, stellt sich der plötzliche Rückzug spätestens in der Rückschau keineswegs – wie seither immer wieder kolportiert wurde – als „übereilt“ oder „Flucht ergreifend“ dar. Es war auch nicht allein das Ergebnis einer rein persönlichen Konkurrenz mit Bundeskanzler Gerhard Schröder um die Frage, wer von ihnen fortan als „Nummer 1“ – der Partei- oder der sozialdemokratische Regierungschef – „den Ton angeben“ solle. Vielmehr war es die logische Entscheidung eines „Überzeugungstäters“, der mit seinem politikinhaltlich-programmatischen Ansatz einer eher nachfrageorientierten, re-regulativen Wirtschafts-, Finanz-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik nicht nur an den in diesen Fragen eher angebotsorientierten sog. „Modernisierern“ in seiner eigenen Partei um Schröder, sondern allem voran an der Dominanz eines politischen Paradigmas scheiterte, das die Ordnung des Denk- und Sagbaren in seiner Zeit bestimmte.