Essbiografische Zugänge zur Einordnung eines jeweiligen Ernährungsverhaltens
摘要
Unsere Essbiografie beginnt bereits vorgeburtlich. Im Zuge eines langen Sozialisierungsprozesses lernen wir, was, wie, wann, wo und welche Nahrungsmittel kulturell hochgeschätzt und erstrebenswert oder eher vernachlässigbar sind. Als Kinder lernen wir, wie Speisen schmecken und zu welchen Anlässen und Mahlzeiten diese gegessen werden. Dabei sind unsere Familien besonders wichtig, denn sie sind unsere Vorbilder. Ohne eine „Ernährungssozialisation“ wären wir nicht in der Lage, eine „sichere“ Lebensmittelauswahl zu treffen. So schmecken, riechen, sehen und interpretieren wir Essen immer im Kontext unserer individuellen Erfahrungen, die aber zugleich auch kulturell überformt werden. Unsere eigene Essbiografie steht somit immer in Bezug zu den in einer jeweiligen Kultur vermittelten Bedeutungszuweisungen des Essens. Essbiografien verdichten soziale, kulturelle, zeitliche und psychologische Prägungen, die lebenslang gebildet werden und sich in einem jeweiligen Ernährungsverhalten nachvollziehen lassen. Dabei kann Biografiearbeit eine Bewältigungsstrategie mit der Erstellung einer individuellen Lebensgeschichte bieten. Dieser Ansatz wird jedoch eher im Bereich der Hospizarbeit verwendet und weniger in der Altenpflege oder in Altersheimen. Studien, die systematisch den Effekt von Biografiearbeit untersucht haben, gibt es jedoch bislang nur wenige. Daher soll unter anderem eine Studie vorgestellt werden, in der anhand ernährungsbiografischer Zugänge versucht wurde, einen Verstehungszusammenhang zum Ernährungsverhalten zu schaffen.