Rationalitätsgefährdende Motive des Menschen
摘要
Die Rationalität einer Entscheidung erfordert zwar, dass der Mensch ein zu seinem Wertesystem kompatibles Verhalten zeigt. Das Wertesystem wird aber auch von Motiven beeinflusst, die im Hinblick auf das Erreichen einer hohen Entscheidungsqualität kritisch zu sehen sind, weil sie den Menschen unbewusst auf einen Pfad lenken, auf den dieser möglicherweise gar nicht gehen möchte. Dieses Kapitel geht auf drei „gefährliche“ Grundbedürfnisse des Menschen ein. In diesem Zusammenhang wird zunächst das Bedürfnis nach einem hohem Selbstwert aufgeführt, was dazu führt, dass Erfolge oder Misserfolge von Handlungen im Sinne einer selbstwertdienlichen Attribution systematisch verzerrt den Fähigkeiten oder den Umständen zugeschrieben werden. Auch bei Handlungen von Dritten zeigt das Kapitel systematische Verzerrungen in dieser Attribution auf. Darüber hinaus wird dargestellt, zu welch irrationalen Verhaltensmustern das Bedürfnis nach kognitiver Dissonanzfreiheit beim Menschen im Entscheidungsverhalten führen kann. Hierbei zeigt sich, dass diese Auswirkungen besonders deutlich sind, wenn eine hohe emotionale Bindung (Commitment) an die Entscheidung vorliegt. Das dritte in diesem Kapitel behandelte, rationalitätsgefährdende Motiv des Menschen ist das Kontrollmotiv. Erläutert werden unterschiedliche Varianten von Kontrolle und die Bestimmungsgrößen, von denen abhängt, wie stark sich das Kontrollmotiv auf das Verhalten auswirkt. Als typisches Verhaltensmuster, das sich aus dem Kontrollmotiv ergibt, wird zum einen auf eine überhöhte Ablehnung von Handlungsalternativen mit einem geringen Kontrollgefühl eingegangen. Zum anderen ist auch das Phänomen der Kontrollillusion neben weiteren Verhaltensmustern Gegenstand der Ausführungen.