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Ein Deutungsmachtansatz der Sozialstaatstheorie

  • Joshua Folkerts

摘要

In der vorliegenden Arbeit werden soziale Fragen und Sozialstaatlichkeit aus der Perspektive eines Deutungsmachtansatzes betrachtet. Er beruht auf der Vermutung, dass die Weise, wie über soziale Fragen gedacht wird, nicht trivial ist. Ideen und intellektuelle Traditionen formen und beeinflussen unsere Wahrnehmung (epistemischer Aspekt) sowie unsere Bewertung (normativer Aspekt) der Realität. Das Thema der Sozialstaatlichkeit veranschaulicht die Relevanz dieser Faktoren in zweifacher Weise. Erstens: Ob und inwieweit wir bestimmte Themen epistemisch überhaupt als soziale Probleme wahrnehmen, hängt grundlegend von den Vorstellungen über Armut, Gerechtigkeit und Gleichheit ab, von denen wir überzeugt sind. Zweitens: Wenn wir ein soziales Problem als existent wahrnehmen, hängen die Mittel, die wir in Betracht ziehen können, um es zu beheben oder zu lösen, von unseren normativen Überzeugungen über die Struktur der Gesellschaft, unserem Menschenbild und der Rolle ab, die wir dem Staat zuweisen. Da eine Vielzahl entscheidender gesellschaftlicher Fragen betroffen ist, z. B. die (Um-)Verteilung materieller und immaterieller Güter, Identität und gegenseitige Anerkennung sowie der Grundkonsens über Form und Funktion von Staat und Gesellschaft, ist es wesentlich, welche Vorstellungen das Denken in diesen Bereichen beeinflusst haben.