Was kann die literatursoziologische Analyse leisten?
摘要
Der Beitrag erläutert anhand zweier Arbeiten Luc Boltanskis ein Theorem und leitet daraus Konsequenzen für die Literatursoziologie ab. Vorgestellt werden zum einen Soziologie und Sozialkritik von 2010 und zum anderen Rätsel und Komplotte von 2013. Die beiden Arbeiten aus dem Umfeld des Neo-Pragmatismus sprechen den gesellschaftlichen Akteur*innen dieselben kritischen Kompetenzen zu, über die auch Soziolog*innen verfügen. Im Anschluss an die Einführung dieses Theorems wird dessen besondere Relevanz in gegenwärtigen Gesellschaften aufgezeigt. Denn kultur- und sozialwissenschaftliche Theorien haben eine enorme Verbreitung erfahren, sodass eine Vielzahl von Akteur*innen auch über eine theoretische Kompetenz verfügt, die eigentlich Alleinstellungsmerkmal der soziologischen Position wäre. Dies wird besonders deutlich am literarischen Genre der Autosoziobiographie und dessen Autor*innen, die bereits selbst soziologische Leistungen zu erbringen scheinen. Vor diesem Hintergrund zeigt der Beitrag abschließend auf, warum und wie soziologische Forschung ein eigenes Interesse zu entwickeln hat, um weiterhin literarische Texte als Quelle für Analysen zu nutzen.