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Wofür ist Literatur gut?

  • Paul Buckermann

摘要

Die Studie untersucht Werturteile und Argumentationsstrukturen in zeitgenössischer Literaturkritik. Entgegen einer etablierten kunstsoziologischen Fokussierung auf künstlerische Konsekrationsleistungen der Kritik wird der Bezug auf eine Vielzahl von künstlerischen und nichtkünstlerischen Wertformen gezeigt und so für ein Verständnis von Kritik als ‚boundary work‘ argumentiert. Analytisch operationalisiert wird dafür Boltanskis und Thévenots Konzept der ‚Rechtfertigungsordnungen‘. Ergebnisse einer qualitativen Analyse von 21 Besprechungen von Michel Houellebecqs Vernichten (2022) zeigen erstens, dass in der Literaturkritik relativ unproblematisch plurale Werträume referenziert werden. Zweitens wird deutlich, dass die professionelle Abwägung und Kombinierung dieser Welten die Literatur nicht heteronomen ‚hostile worlds‘ preisgibt. Zum einen schützt die Synchronizität pluraler Rechtfertigungsordnungen an den Grenzen autonomer Kunst Expert*innenautorität und literaturspezifische Kriterien. Zum anderen führt sie breitere gesellschaftliche Leistungen der Kunst vor, was mittelbar wiederum Ressourcen für die autonome Kunst mobilisiert.