Nominale Strukturen als Indikatoren für bildungssprachliche Kompetenz? Konzeptionelle Überlegungen zu einem förderdiagnostischen Instrument für die Sekundarstufe I
摘要
Besonders im Kontext des schulischen Lernens wird bildungssprachlichen Kompetenzen eine Schlüsselrolle zugesprochen: Sie entscheiden (zumindest hypothetisch) mit darüber, ob und wie erfolgreich sich Schüler:innen fachliche Inhalte aneignen, was wiederum Bedingung für eine erfolgreiche Partizipation an den schulisch induzierten Fachdiskursen ist. Spezifische sprachliche Kompetenzen sind unter Umständen gar mit ein Faktor, wenn es um individuelle Bildungserfolge geht. Obwohl bildungssprachlichen Kompetenzen eine hohe Relevanz zugesprochen wird, sind sowohl die empirischen Erkenntnisse zum Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen lückenhaft, als auch die Verfügbarkeit diagnostischer Instrumente, die auf die Erfassung von erwerbsbedingten Sprachausbauprozessen fußen, vergleichsweise eingeschränkt. Der vorliegende konzeptionelle Beitrag diskutiert vor dem Hintergrund dieser Lücke Bedingungen für die Entwicklung eines erwerbstheoretisch sowie empirisch fundierten Diagnoseverfahrens zur Erfassung bildungssprachlicher Kompetenzen in der Sekundarstufe I. Ausgehend von einer Verortung des Konstrukts Bildungssprache wird auf Basis von einschlägigen Erwerbsmodellen und empirischen Studienergebnissen dafür plädiert, nominale Strukturen und dabei insbesondere ausgebaute Nominalphrasen (NPs) sowie Nominalisierungen als Indikatoren für Sprachausbauprozesse für individuelle Ausbauniveaus im formellen Register heranzuziehen.