Passiv im Schulalter: Irritationen, Inkonsistenzen und Implikationen
摘要
Dieser Beitrag nimmt mit dem werden-Passiv eine bildungssprachliche Konstruktion genauer in den Blick. Zunächst wird dafür das Verhältnis von Passiv und Aktiv unter funktionalen Gesichtspunkten ausgeleuchtet, um herauszuarbeiten, warum und in welchen Kontexten Sprecher:innen des Deutschen das werden-Passiv verwenden. Dann werden die schulischen Erwartungen rund um das Passiv untersucht – einerseits in dem für Sprachbildung grundlegenden Fach Deutsch und andererseits in einem weiteren Fach (Geographie). Die Bildungspläne sehen für Deutsch eine Thematisierung dieser Konstruktion erst sehr spät vor und Deutschlehrbücher helfen den Schüler:innen nur teilweise, Form, Funktion und angemessenen Gebrauch des Passivs zu reflektieren. Eine Schulbuchanalyse aus dem Fach Geographie zeigt dagegen, dass der Fachunterricht von Schüler:innen zumindest das Verständnis dieser Konstruktion schon früh erwartet (vgl. Bryant et al. 2017). Aber ist das Passiv überhaupt schwierig? Dieser Frage geht eine Sichtung von Studien zum rezeptiven und produktiven Erwerb dieser Konstruktion im (Vor-)Schulalter nach. Befunde zur Fähigkeit, das Passiv zu verstehen und zu bilden, weichen dabei deutlich von solchen zum Gebrauch dieser Konstruktion in der freien Sprachproduktion ab. Es wird deshalb auch eine Interventionsstudie mit Viertklässler:innen vorgestellt, die die Möglichkeiten und Grenzen einer Förderung des Passivgebrauchs ausleuchtet (vgl. Siegmund 2022). Bei der intensiven, multiperspektivischen Beschäftigung mit dem werden-Passiv sind wir auf allen Ebenen (Sprachtheorie, Sprachdidaktik, Spracherwerb) auf irritierende Aspekte und Widersprüchlichkeiten gestoßen und konnten datengestützt Inkonsistenzen beim Umgang mit dem Passiv im Schulkontext aufdecken, für die wir am Ende des Beitrages Lösungsvorschläge anbieten.