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Widerstreit und Harmonie

  • Wolfgang Frindte

摘要

Feyerabend offeriert einen pluralistischen, emanzipatorischen und humanistischen Ansatz, um den Widerstreit zwischen Wissenschaftler*innen und Alltagsmenschen, zwischen Theoretiker*innen und Praktiker*innen nicht einfach aufzulösen oder in eine längst überholte Scheinharmonie zu pressen, sondern in Formen zu überführen, in denen der Widerstreit sich bewegen kann. Diese Offerte ist keinesfalls so selbstverständlich, wie sie erscheinen mag. Feyerabend hebt weder die Praxis (als Alltagspraxis oder experimentelle Praxis) gegenüber dem Theoretisieren hervor noch drückt er seine Abneigungen gegenüber wissenschaftlichen Abstraktionen aus. Er kritisiert zwar in gewohnter Manier die „Ideologie“ jener Wissenschaftler*innen, die behaupten, allein die wissenschaftlichen Methoden seien die Königswege der Erkenntnis. Gewiss, er sympathisiert auch mit der Praxis, die ihm demokratischer erscheint, hält die Beziehung zwischen Theorie und Praxis aber für eine komplizierte Angelegenheit und die Wissenschaft für ein Handwerk, das Theorie und Praxis in dialektischer Weise verbindet. Insofern, und das ist der Kern der Feyerabendschen Offerte, kann (muss?) man die Wissenschaft auch kritisieren, ohne selbst ein Wissenschaftler zu werden. Eine Kritik der Wissenschaft ist angebracht im Umgang mit den Erkenntnissen der Psychologie, der Cancel Culture, den Krisen, Katastrophen und Kriegen und vielem anderen. „Eine demokratische Kritik der Wissenschaft ist nicht nur keine Absurdität – sie gehört zur Natur des Wissens“. Es geht schließlich darum, inwieweit durch den Widerstreit zwischen sozialen Gemeinschaften, durch die Verschiedenartigkeit ihrer Erkenntnisbestände, Traditionen, Konventionen und Mythen und durch den Streit über diese Verschiedenartigkeit neue Fragen und Perspektiven für den Umgang mit der Welt aufgeworfen werden können. „Alles geht: das stimmt!“.