Deutschland in der internationalen Gemeinschaft: Normative Erwartungen und deutsche Außenpolitik nach 1990
摘要
In diesem Kapitel wird die Außenpolitik Deutschlands aus einer dritten systemischen Perspektive, der Theorie des soziologischen Institutionalismus betrachtet. Aus dieser Perspektive sind die Staaten im internationalen System nicht nur durch Austauschbeziehungen und wechselseitige Abhängigkeiten miteinander verbunden, sondern bilden darüber hinaus eine internationale Gemeinschaft, die sich über gemeinsame Prinzipien, Werte und Normen definiert. Die (neo)realistische, aber auch die politökonomische Perspektive erfassen diese Dimensionen entweder gar nicht oder nur unzureichend. Nach einem Überblick über die Kernaussagen der Theorie des soziologischen Institutionalismus wird die Wirkungsmacht gemeinsamer Prinzipien, Werte und Normen am Beispiel der Einbettung Deutschlands in die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union illustriert. Wie die Resozialisierung der Bundesrepublik im Rahmen westlicher Demokratien und Institutionen als eine Form des „reflexiven Multilateralismus“ internalisiert wurde, wird sodann am Beispiel der anhaltenden Einbindung in die NATO (insbesondere der aktiven Beteiligung nach 1990 an „out-of-area“-Einsätzen des Bündnisses) und in die Europäische Union (im Blick auf die Erweiterung durch neue Mitgliedsstaaten wie auch die Vertiefung im Rahmen der Schaffung einer Währungsunion) diskutiert.