Außenpolitik und wirtschaftliche Verflechtungen: Die Außenpolitik der Exportnation Deutschland, 1945–1989
摘要
In den Jahrzehnten zwischen der Gründung der Bundesrepublik und der Wiedervereinigung spielten wirtschaftliche Fragen eine besonders prominente Rolle in der deutschen Außenpolitik. Aufbauend auf „second image- Theorien“ und der Vergleichenden Kapitalismusforschung wird die deutsche Außenpolitik in dieser Phase unter Rückgriff auf die besondere deutsche Wirtschaftsstruktur analysiert. Die deutsche Ökonomie ist seit langem durch eine besonders starke Exportorientierung gekennzeichnet. Die Außenpolitik des (west-)deutschen „Handelsstaats“ ist daher ganz besonders auf die Erschließung und Stabilisierung von Exportmärkten ausgerichtet. Erste Weichenstellungen für die Exportorientierung fanden bereits im 19. Jahrhundert statt. Wiederbelebt wurde sie dann im Korea-Krieg, intensiviert in den Wirtschaftskrisen der 1970er- und 1980er-Jahre, und zementiert mit der Einführung des Euros. Generell spielte die Integration Deutschlands in die EU eine zentrale Rolle für die Exportnation, einerseits durch den Zugang zum Binnenmarkt, aber anderseits auch durch das Europäische Währungssystem, das nach dem Zusammenbruch des Bretton Woods-Systems für stabile Währungsrelationen und eine oftmals unterbewertete D-Mark sorgte, beides wichtig für Exporte. Eine Wirtschaft, die stark von Exporten abhängt, ist außen- und sicherheitspolitisch allerdings relativ leicht erpressbar, wie sich beispielsweise in den 1960er- und 1970er-Jahren im Konflikt um den „Truppendollar“ zeigte.