Außenpolitische Diskurse
摘要
In diesem Kapitel rücken außenpolitische Diskurse ins Zentrum der Analyse. Solche Diskurse haben den Vorteil, dass sie – im Kontrast zu einer Fokussierung auf die außenpolitische Kultur eines Landes, die vergleichsweise stabile Überzeugungssysteme ins Zentrum rückt – den Prozess der Veränderung dieser Überzeugungen betonen. Wie das Beispiel der sich ausweitenden deutschen Militäreinsätze seit den 1990er-Jahren zeigte, sind solche Veränderungen ein wesentlicher Bestandteil in der Entwicklung der Außenpolitik eines Landes. Handlungsleitende Identitäten müssen sich durch Praxis ständig „reproduzieren“ und dieser „(Re-)Produktionsprozess“ muss als Prozess der stetigen Veränderung gedacht werden. Diskurstheoretische Ansätze, die solchen Reproduktionsprozessen nachspüren, stehen im Zentrum dieses Kapitels. Zunächst wird ein kurzer Überblick über das Verständnis der Begriffe Diskurs und Diskursanalyse sowie deren Quellen im Strukturalismus/Post-Strukturalismus und in der Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts gegeben. Sodann wird aufgezeigt, welche Gemeinsamkeiten diskursanalytische Ansätze bei allen Unterschieden aufweisen und wie sich ihre Anwendung auf dem Feld der Außenpolitikanalyse von anderen Ansätzen unterscheidet. Anhand dreier Beispiele diskursanalytischer Zugriffe auf die deutsche Außenpolitik in den 1990er-Jahren wird anschließend gezeigt, wie die Diskursanalyse helfen kann, diese besser zu verstehen und wie uns dieses bessere Verständnis in die Lage versetzen kann, zu fundierteren Einschätzungen zukünftiger deutscher Außenpolitik zu gelangen.